Demokratie als Friedensfunktion
Die allgemeine Meinung
Wann immer das Gespräch auf Staatsformen kommt, hört man, dass die Demokratie doch eine der besten ist. Sicher, das mag wohl so stimmen, doch hat nicht auch sie ihre Schwächen?
Laut einer hoch strittigen politikwissenschaftlichen These gibt es den sogenannten demokratischen Frieden. Was das ein soll? Wir unternehmen der Versuch einer Erklärung.
Der „demokratische“ Frieden
Die erwähnte These besagt, dass Demokratien historisch betrachtet weit weniger kriege gegeneinander geführt haben als andere Staatsformen und deshalb als sehr viel friedlicher und friedliebender angesehen werden können.
Mann darf sogar, laut der These, soweit gehen und der Demokratie eine regelrechte Friedensfunktion zusprechen. Aber ist das wirklich machbar? Kann eine Demokratie ein Friedensstifter sein? Kant zumindest war der Ansicht, dass Demokratien deshalb als weniger kriegerisch betrachtet werden können, weil ihre Bürger, von denen ja alle Gewalt ausgeht, sich wohl kaum selbst in den Krieg schicken würden. Diese Ansicht lässt sich allerdings bezweifeln.
So führen etwa die USA, ein schon fast seit seinen Ursprüngen demokratisches Land, regelmäßig Kriege. Diese gelten der Terrorbekämpfung, der Vernichtung von „Schurkenstaaten“ oder ähnlichem. Und obwohl diese Politik in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche US-Soldaten das Leben kostete, hält das Land an seiner Strategie fest.
Krieg für den Frieden?
Allerdings gab schon im alten Rom den Ausspruch „sic hoc pacem para bellum!“ (wer den Frieden will, der rüste zum Krieg). Kann es also sein, dass es notwendig ist, Krieg zu führen, um ein Land zu befrieden? Das wiederum würde in die Richtung der Friedensfunktion der Demokratie gehen.
Wie man es auch sehen mag, empirische Untersuchungen konnten bislang nicht nachweisen, dass Demokratien tatsächlich weniger Kriege führen als andere Regierungsformen.
Besonders gegenüber Nicht-Demokratien greift man nämlich gerne zu den Waffen. Jedoch verhalten sich Demokratien untereinander in der Tat friedfertiger als Nationen mit anderen Staatsformen.